Sehnenschaden beim Pferd
Ein Sehnenschaden ist die Verletzung, vor der jeder Pferdebesitzer Respekt hat. Sie heilt langsam, sie kommt gern wieder, und sie verlangt Geduld über Monate. Diese Seite erklärt, was im Gewebe passiert, wie der Heilungsverlauf aussieht und an welcher Stelle darin eine Lichtanwendung überhaupt etwas beitragen kann.
Erst der Tierarzt, dann das Licht. Bei akuter Lahmheit, Wärme, Schwellung oder einer offenen Wunde gehört das Pferd zuerst untersucht. Eine Lichtanwendung ersetzt keine Diagnose und keine tierärztliche Behandlung.
Was bei einem Sehnenschaden im Gewebe passiert
Sehnen bestehen aus dicht gepackten, parallel ausgerichteten Kollagenfasern. Diese Ausrichtung ist der Grund, warum eine Sehne enorme Zugkräfte aushält. Reißen einzelne Faserbündel, verliert die Sehne genau diese Ordnung. Es entsteht ein Defekt, der mit Flüssigkeit und Entzündungszellen gefüllt wird und im Ultraschall als dunkler Bereich sichtbar ist.
Der entscheidende Punkt: Der Körper repariert diesen Defekt zunächst mit Narbengewebe, dessen Fasern ungeordnet liegen. Narbengewebe ist weniger elastisch als die ursprüngliche Sehne. Ob daraus wieder belastbares Gewebe wird, hängt davon ab, ob die Sehne im richtigen Zeitraum die richtigen Reize bekommt. Deshalb ist kontrollierte Bewegung die eigentliche Therapie, nicht Boxenruhe über Monate.
Die drei Heilungsphasen
Entzündungsphase, etwa die ersten ein bis zwei Wochen
Das Bein ist warm, geschwollen und schmerzhaft. Der Körper räumt zerstörtes Gewebe ab. In dieser Phase geht es um Kühlung, Ruhigstellung und die Behandlung, die der Tierarzt ansetzt. Wärme und Licht haben hier nichts zu suchen, sie können die Entzündung verstärken.
Reparaturphase, etwa Woche zwei bis Monat drei
Der Defekt füllt sich mit neuem, noch ungeordnetem Kollagen. Die Schwellung geht zurück, das Bein wird ruhiger. Jetzt beginnt die kontrollierte Bewegung nach Plan, meist mit Schrittführen. In dieser Phase wird eine Lichtanwendung erstmals eingesetzt, um die Durchblutung im Bereich zu begleiten.
Umbauphase, ab etwa Monat drei bis weit über ein Jahr
Das Kollagen wird umgebaut und richtet sich entlang der Zugrichtung aus. Diese Phase bestimmt, wie belastbar die Sehne am Ende wird, und sie braucht Belastungsreize in genau dosierter Steigerung. Bis eine Sehne wieder voll belastbar ist, vergehen in der Regel neun bis achtzehn Monate.
Wann Rotlicht sinnvoll ist und wann nicht
In der akuten Entzündungsphase: nein. Solange das Bein warm und geschwollen ist, gehört dort kein Wärme- oder Lichtgerät hin. Wer in dieser Phase etwas tun will, kühlt und ruft den Tierarzt.
In der Reparatur- und Umbauphase: möglich, begleitend. Verwendet wird dann vor allem die Wellenlänge 850 nm, weil sie tiefer ins Gewebe reicht als das rote Licht bei 660 nm. Die tiefe Beugesehne und der Fesselträgerursprung liegen so tief, dass oberflächliche Wärme sie ohnehin nicht erreicht.
Was eine Lichtanwendung nicht kann: den Heilungsverlauf abkürzen, den Aufbauplan ersetzen oder eine Sehne wieder belastbar machen, die zu früh belastet wurde. Der Aufbauplan kommt vom Tierarzt und richtet sich nach den Ultraschallkontrollen, nicht nach dem Kalender.
Fesselträger, tiefe Beugesehne, Sehnenscheide
Nicht jeder Schaden am Bein ist dasselbe. Der Fesselträgerursprung sitzt hoch unter dem Knie beziehungsweise am Sprunggelenk und ist besonders schwer zu erreichen, hinten häufiger betroffen als vorn. Die oberflächliche Beugesehne ist die klassische Sportpferdeverletzung an der Röhrbeinrückseite. Eine Sehnenscheidenentzündung wiederum betrifft die Hülle, nicht die Sehne selbst, und verhält sich im Verlauf anders.
Was genau betroffen ist, klärt der Ultraschall. Diese Unterscheidung entscheidet über den Aufbauplan und darüber, ob eine äußere Anwendung die Stelle überhaupt erreicht.
Was du im Alltag tun kannst
Halte dich an den Bewegungsplan, auch wenn das Pferd längst frisch aussieht. Miss den Beinumfang morgens im gleichen Abstand zum Vortag und notiere ihn. Fühle das Bein täglich auf Wärme. Und lass die Ultraschallkontrollen machen, auch wenn sie Geld kosten, denn sie sind das Einzige, was zeigt, ob der Umbau läuft.
Grundlagen zu Wellenlängen, Dauer und Grenzen der Anwendung stehen im Ratgeber Rotlichttherapie beim Pferd. Eine Übersicht über das gesamte Sortiment findest du unter Rotlicht-Therapiegurte.